Volkstrauertag (Sonntag, 18. November 2018) – Heike Wermer MdL hält Gedenkansprache


Zum Gedenken der Gefallenen und der Verstorbenen der Weltkriege fand anlässlich des Volkstrauertages am Sonntag, 18. November 2018, traditionell die Gedenkveranstaltung auf dem Alten Friedhof am Steinweg statt. Nach dem Hochamt zogen der Musikverein, die Kameraden der Feuerwehr Nienborg, die Mitglieder vom Schützenverein Wext-Ammert-Wichum, Callenbeck, die Mitglieder vom Allgemeinen Bürgerschützenverein Nienborg und die Bevölkerung von der Pfarrkirche St. Peter und Paul zum Kriegerehrenmal. Hier legten die Bürgerschützen einen Kranz nieder.

Die Gedenkansprache hielt Heike Wermer MdL.

Die Rede im Wortlaut:

“Rede von Heike Wermer MdL zum Volkstrauertag in Nienborg am 18.11.2018”

Liebe Nienborger Schützen,
liebe Schützen von Wext, Ammert, Wichum, Callenbeck,
liebe Mitglieder des Musikvereins Nienborg,
liebe Kameraden der Feuerwehr,
lieber Pater Joy,
liebe Nieborgerinnen und Nienborger,

wir sind heute am Volkstrauertag zusammengekommen, um an die Opfer von Gewalt und Krieg zu denken, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Besonders gedenken wir der Gefallenen und den Soldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, aber auch ihrer Angehörigen sowie den Opfern von Nationalsozialismus und Rassismus.
Zum Glück geht es uns heute in Deutschland gut und seit über 70 Jahren leben wir hier in Frieden.
Gerade erst vor ein paar Tagen hatten wir im Düsseldorfer Landtag eine Gedenkveranstaltung zum Ende des Ersten Weltkrieges von vor 100 Jahren. Es hat mich besonders gefreut, dass auch Zehntklässler unserer Kreuzschule dabei waren. Krieg muss für die Kinder und Jugendlichen von heute unvorstellbar sein. Umso wichtiger ist es, dass sie sich mit der Geschichte und Kriegen auseinandersetzen.
Für uns alle ist Krieg in heutiger Zeit unvorstellbar – zumindest wenn man das Glück hat, in Europa geboren zu sein.
Wir leben hier so nah an der Grenze, dass wir die Holländer als unsere „echten“ Nachbarn verstehen. Wir sind schneller in Enschede als in Osnabrück. Wir leben zusammen in Freundschaft und nicht im Hass. Ganz ohne Grenzkontrolle. Das war mal anders.
Auch mit den anderen europäischen Staaten pflegen wir ein freundschaftliches Verhältnis. Man denke an den überwundenen Hass zwischen Deutschland und Frankreich. Die Bilder der letzten Woche von Merkel und Macron zeigen es. Freundschaft und Versöhnung haben es möglich gemacht. Gegenseitiges Verständnis. Das gilt es weiter zu fördern.
Wir können uns glücklich schätzen, dass aus dem Konstrukt EU solch ein Friedensmodell geworden ist. So wie wir es alle kennen. Es wäre heute undenkbar, mit einem anderen europäischen Staat Krieg anzufangen. Und dennoch bekritteln wir an vielen Stellen die EU. Hier eine neue Vorschrift, da eine neue Vorgabe. Manche Kritik geht soweit, dass die EU als Ganzes in Frage gestellt wird. Davor möchte ich ganz klar warnen!
Wir Demokratien respektieren den Menschen als solchen. Deshalb ist es in unserer Zeit umso wichtiger, unsere Demokratie zu stärken und zu schützen – gegen Gedankengut von radikal links und radikal rechts, gegen aufkommenden Nationalismus und Rassismus.
Leider erleben wir immer mehr, dass viele Mitbürger unseren Staat, unsere Demokratie und damit unsere Werte für selbstverständlich erachten. Das ist es aber nicht. Demokratie heißt, gegenteilige Stimmen auszuhalten und für das Recht jedes einzelnen Menschen einzustehen. Demokratie und Frieden sind anstrengende Aufgaben.
Und genau sie erlauben es uns, dass wir uns sicher fühlen können.
Aber das diffuse Gefühl von Gleichgültigkeit bis hin zur Unsicherheit wird gerne von extremen politischen Kräften genutzt. Diese Kräfte wenden sich gegen unsere Einheit, Freiheit und unseren Frieden. Denn Kriege entstehen oftmals im Kleinen, im Diffusen und können schnell herankeimen.
Kriege anzuzetteln geht leichter als sie zu beenden. Das sollten wir aus der Vergangenheit längst gelernt haben. 2018 ist nicht nur das Jubiläumsjahr für das 100-jährige Ende des Ersten Weltkrieges. Vor 500 Jahren begann der 30-jährige Krieg in Europa, der 1648 mit dem Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück ein Ende fand. Bis es aber zum Frieden kam, wurde allein fünf Jahre miteinander verhandelt.
Der Deutsche Katholikentag dieses Jahr in Münster hieß treffenderweise „Suche Frieden“. Dieses Motto können wir als Aufforderung verstehen und als Beschreibung unserer Gegenwart. Denn noch müssen wir auf der Welt erleben, dass es Kriege gibt, mal näher, mal weiter von uns entfernt. Sowohl räumlich als auch persönlich.
• Seit drei Jahren Krieg im Jemen (2015)
• Seit vier Jahren Konflikte in der Ostukraine (2014)
• Seit sieben Jahren der Bürgerkrieg in Syrien (2011)
• Seit 15 Jahren der Darfur-Konflikt im Sudan (2003)
• Seit 24 Jahren Krieg im Kongo (1994)
• Seit 70 Jahren Konflikte in Myanmar (1948)
Siebzig Jahre – das heißt ein ganzes Leben im Krieg.
Wir alle wissen nicht, wie lange diese Kriege noch andauern werden, wie lange Menschen noch zu Opfern werden oder wann und wo es auf der Welt die nächste Krise, den nächsten Krieg und damit Opfer und Tote geben wird.
Umso wichtiger ist es, dass wir den Frieden bei uns wahren und an ihm arbeiten. Auf der Welt, in Europa, in Deutschland und direkt bei uns Zuhause.
Lasst uns diesen Tag als Mahnmal verstehen, wie wir es hier mit dem Mahnmal auf dem Friedhof tun. Lasst uns daran arbeiten, dass jeder Tag ein Tag des Friedens werden kann bzw. bleibt und wir uns auf die Demokratie in unserem Staat verlassen können.
Lasst uns für die Demokratie einsetzen – an jedem Tag und in jedem Tun. In dem wir auf uns und andere Acht geben, in dem wir verschiedene Meinungen haben, aber sie diskutieren und aushalten können. In dem wir uns einander achten und respektieren und uns füreinander einsetzen.
Vielen Dank.

Die Bilder sind von Carolin Hölscher, Wahlkreismitarbeiterin, Landtagsbüro Heike Wermer MdL

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