500 Jahre Allgemeiner Bürgerschützenverein Nienborg: Mit einer Tonne Bier fing alles an (Geschichtlicher Rückblick – Teil 1)

Rechnung aus dem Jahre 1520

500 Jahre Allgemeiner Bürgerschützenverein Nienborg 1520 e.V. – Das bedeutet 500 Jahre Tradition, Brauchtum, Zusammenhalt, Treue und Gemeinschaftssinn. Die Bürgerschützen sind stolz darauf, diese Tugenden auch nach einem halben Jahrtausend noch zu pflegen. Seit fünf Jahrhunderten prägen die Schützen die Nienborger Dorfgeschichte. Ein Leben ohne Schützenfest können sich die Nienborger kaum vorstellen. Das große Jubiläumsfest steigt vom 25. Juli bis 4. August 2020 in der Dinkelgemeinde. In einer mehrteiligen Serie wollen wir einen Blick in die Geschichte des Vereins werfen.

Original-Königsplakette aus dem Jahre 1680

Die Anfänge des Vereins wurden lange Zeit auf das Jahr 1680 datiert. Als Nachweis diente das älteste erhaltene silberne Schild der Schützenkette von König Bernardus Hermannus (von) Billerbeck. Seine Königin war Anna Margareta Zumpoli. Der König war Goldschmied und Sproß einer alten Nienborger Burgmannsfamilie, seine Königsplakette stach er selbst. Folglich feierte der Verein im Jahr 1980 sein 300-jähriges Jubiläum.

Festschrift 1980

Zu diesem Fest fertigte Heimatforscher Josef Wermert eine Festschrift. Ihm ist es zu verdanken, dass die Bürgerschützten 15 Jahre später ihr 475-jähriges Jubiläum feiern konnten. Die Alterung des Vereins über Nacht ist auf seine Entdeckung und auf die Lust zum kühlen Gerstensaft zurückzuführen. In einem Karton mit unverzeichneten Gerichtsakten fand Josef Wermert im Februar 1991 Fragmente von Rechnungen der Nienborger Burgmannschaft aus dem 16. Jahrhundert. Die älteste dieser Rechnungen stammt aus dem Jahre 1520 und enthält den bislang ältesten Beleg für das Nienborger Schützenwesen. In der durch Moder zum Teil zerstörten Rechnung heißt es, dass dem Wirt oder Bierbrauer Lubbert Lubertus für eine Tonne Bier Geld bezahlt habe. Das Bier wurde am Sonntag nach dem Festtag der Heiligen Margaretha beim Vogelschießen getrunken, der 1520 auf den 18. Juli fiel. Wie der Rechnung zu entnehmen ist wurde damals auf einen hölzernen Papagei geschossen („als men den papegoge schot”).

Josef Wermert und Johann Lammers (1980)

„Man kann wohl mit großer Gewissheit davon ausgehen, dass sich keine älteren Belege zum Nienborger Schützenwesen mehr finden lassen. Mit diesem Fund ist die Nienborger Schützengesellschaft nunmehr die älteste in der Gemeinde Heek und zugleich auch eine der ältesten im westlichen Münsterland. Das Jahr der ersten Erwähnung sagt nichts über das tatsächliche Alter dieser Schützengesellschaft aus. Deren Ursprung wird sicherlich im 15. Jahrhundert liegen, wie Erkenntnisse über die Entwicklung des westfälischen Schützenwesens nahe legen”, hielt Josef Wermert die erste Erwähnung des Vereins fest.

Festschrift 1995

Gemeinsam mit dem aktuellen Vizepräsidenten Klaus Lammers schrieb Josef Wermert zum Jubiläum vor 25 Jahren eine weitere Festschrift. In beiden bislang erschienenen Festschriften erhalten die Leser vor allem interessante Einblicke in die Historie des Vereins. „Damit war ich 160 Jahre Kaiser”, sagte der frühere Präsident des Vereins und erste Vereinskaiser Johann Lammers, der von Jubiläum bis Jubiläum – von 1980 bis 1995 – mit seiner Ehefrau Hildegard Lammers als Kaiserpaar in Nienborg regierte.
Ihren Ursprung haben die Schützengesellschaften gegen des 13. Jahrhunderts in Flandern und Brabant, im heutigen Nordfrankreich und Belgien. Um 1400 erreichte die Bewegung die nördlichen Niederlande und das Rheinland. Die Bürger Nienborgs waren laut Bürgereid zur Verteidigung der Stadt verpflichtet. Die militärische Bedeutung der Schützengesellschaft darf jedoch nicht zu hoch eingeschätzt werden. Sie leisteten zwar einen Beitrag zur Sicherung des Ortes, ihr Hauptzweck blieb jedoch die Betätigung im Schießsport und die dazugehörige Pflege der Geselligkeit. Höhepunkte der Schießübungen war das alljährliche Vogelschießen um die Königswürde.
Weitere Rechnungen der Folgejahre belegen, dass die Burgmänner den Schützen zum jeweiligen Schützenfest Bier spendierten. Im Jahr 1557 zahlte die Ludger von Raesfeld zu Haus Hamern 18 Schillinge. Infolge der Erfindung des Schießpulvers war die Landesburg im 16. Jahrhundert zunehmend bedeutungsloser geworden. Der 14. Februar 1593 bedeutete schließlich das Ende der Burg als militärische Anlage. Nienborg wurde an diesem Tag von im spanischen Sold stehenden twentischen Soldaten erobert, geplündert und teilweise in Brand gesteckt. Die Burgmannshäuser wurden zwar wieder aufgebaut, dienten ihren Bewohnern jedoch nur noch als Wohnung. Die Schützenkönige kamen damals allesamt aus wohlhabenden Familien, was sich besonders an den für diese Zeit ungewöhnlich großen Königsplaketten zeigt. Die wenigen Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) mit dem Jahre 1654 wieder nachweisbaren Vogelschießen und Schützenfest sind auf ein gesteigertes Lebensgefühl der Bürger nach all den Drangsalen der vergangenen Jahre zurückzuführen. Die Tatsache, dass fünf der Könige aus dem 17. und 18. Jahrhundert als Bürgermeister von Nienborg beurkundet sind, spricht ebenfalls für sich.

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