500-jähriges Bestehen – Der Wunsch nach Traditionen – Die Nachkriegszeit – Geschichte Teil 5

Schützenfestnachfeiern im Jahr 1956

Wenn auch der Allgemeine Bürgerverein in Nienborg sein Jubiläum in diesem Jahr nicht feiern kann – ein Rückblick auf die Geschichte ist lohnend. Dieses Mal geht es um die Nachkriegszeit.

Der Gedanke an ein Schützenfest als Volksfest schien nach dem Zusammenbruch 1945 für lange Zeit unmöglich. Die Militärregierung löste die Schützenvereine offiziell auf. Nur die „Katholische Historische Deutsche Schützenbruderschaft” wurde genehmigt. Nicht wenige waren von Skepsis erfüllt, ob die Zeit schon wieder reif sei, um ein Schützenfest feiern zu können. Letztlich überwog aber den Wunsch, an überlieferte Traditionen wieder anzuknüpfen. Im Frühjahr 1948 wurden erste Überlegungen angestrengt, in Nienborg wieder ein Schützenfest zu feiern. Um dieses Brauchtum wieder aufleben zu lassen, trafen sich im Juni des Jahres der damaligen drei Nienborger Schützenvereine: Callenbeck, Bürgerschützen und Wext, Wichum, Ammert statt. Sie schlossen sich für eine kurze Zeit zu einer „Historischen Schützenbruderschaft Nienborg” zusammen, jedoch mit eigenen Befugnissen und Schützenfesten. In den vorläufigen Vorstand wurden gewählt: Rudolf Heemann, Bernhard Hewing (Nienborg), Wilhelm Schlichtmann, Theodor Holtkamp (Callenbeck), H. Niehoff, Hermann Alte-Epping (Wext, Ammert, Wichum). Zur ersten öffentlichen Versammlung nach den Kriegswirren kamen die Schützenbrüder am 15. Mai 1949 in der Gaststätte Enseling zusammen. Im Folgejahr wählten die Bürgerschützen auf der Generalversammlung in der Gaststätte Wissing einen 11-köpfigen Vorstand. Die Mitglieder gedachten besonders dem im Krieg gefallen 1. Vorsitzenden Franz Fabry. Zu seinem Nachfolger wurde Bernhard Lammers gewählt, sein Stellvertreter blieb Rudolf Heemann. Anschließend erklärte die Versammlung einstimmig den Austritt aus der „Katholischen Historischen Deutschen Schützenbruderschaft”, da die laufenden Kosten nicht aufgebracht werden konnten. Damit war zugleich die „Historische Schützenbruderschaft Nienborg”“ aufgehoben. Weiter wurde beschlossen, von nun an alle zwei Jahre ein Schützenfest zu feiern, dazwischen jeweils ein Sommerfest. Diese Festfolge wird seitdem beibehalten. In den ersten Jahren nach dem Krieg führte Otto Haase als Oberst das Offizierscorps an.

Das erste Schützenfest feierten die Nienborger im Jahr 1950. Auf dem Sportplatz wurde eine neue Schützenstange errichtet. Es war ein großes Volksfest. Die Schulkinder zogen im Schützenzug mit zur Vogelstange, wo für sie eine Kinderbelustigung stattfand. Die Presse berichtete „Nienborg feiert sein Bürgerschützenfest – König Bernhard regiert – Alter Brauchtum lebte wieder auf.” Königspaar wurden Bernhard Borgers und Guste Kurth. Präsident Bernhard Lammers wurde am letzten Schützenfesttag Scheibenkönig.

Beim Clemensmarkt am 23. November 1950 fand ein gemütliches Beisammensein von zahlreicher Schützenbrüder zum gemeinsamen Moosessen in der Gaststätte Hoffkamp statt. In der Generalversammlung Anfang 1951 wurde folgender Vereinsgruß in die Satzung aufgenommen: „Horrido”, „Hussa”, „Hussasa”. Für die Offiziere wurden 11 Degen angeschafft. Vielfach nahm und nimmt der Verein an Jubiläen auswärtiger Vereine teil. Erstmalig ging es nach dem Krieg im Jahr 1952 nach Vreden. Im Jahr darauf wurde das Kriegerehrenmal auf Initiative Nienborger Schützenvereine renoviert. Zugleich übernahmen sie auch die Organisation der alljährliche Gedenkfeier an Volkstrauertag

Im Jahre 1956 feierte der Allgemeine Bürgerschützenverein sein 275jähriges Jubiläum. Zum Jubiläumsfest wurde das Amt des Generals, der ranghöchste Offizier, geschaffen. Hierzu wurde der bisherige Oberst Heinrich Blömeke ernannt, der das Amt seit 1952 inne hatte. Das Fest wurde in erster Linie unter den Mitgliedern des Vereins nach alter Tradition gefeiert. Mit Ausnahme des Vereins Ahle-Süd waren sämtliche Schützenvereine aus dem Amtsbezirk Nienborg der Einladung zum Jubiläumsfest gefolgt. Das 1000 qm große Zelt war bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele ehemalige Nienborger nahmen daran teil. Um die Bewirtung der Festgäste kümmerte sich Festwirt Hans Mümken aus Nienborg.

Jubiläumskönig wurde Schmied Bernhard Schlüter. Zu seiner Königin erkor er sich seine Ehefrau Josefine Schlüter, geborene Hinkers. Aus einem 5-Mark-Stück fertigte er sich sein Königsschild. „Alle Teilnehmer waren von dem Fest begeistert, brachte es doch einige Tage voller Freude, Kameradschaft und Begeisterung. Stunden, die noch oftmals erinnern”, hielt der damalige Schriftführer Wilhelm Pieper im Protokoll fest. Seit der Zeit ist der König während seiner Amtszeit Mitglied im Vorstand.

Für den Preis von 1350 DM erwarb der Verein im Jahr 1960 bei der Firma Fahnen Reuther eine neue Schützenfahne. Der Schriftzug über dem Wappen der Provinz Westfalen „Für Bürgersinn und Heimattreue” steht sinnbildlich für die im Verein bestehende Einigkeit, Brüderlichkeit und inneren Zusammenhalt von Jung und Alt. Im Januar 1966 wurde Josef Pelster neuer General. Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm drei Jahre später Bürgermeister Josef Pegel von Bernhard Lammers. Ende der 60er Jahre wurden das Stern- bzw. Scheibenschießen und das Aufziehen der Wachen und das Aufstellen der Ehrenposten aufgegeben.

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